www.onleica.de Projekt-Auswertung

Projektbeschreibung: “Corona-Pause – Deine Chance, 5 Tage in dich und deine Skills zu investieren. Diese Mitarbeiterschulung ist zu 100% so konzipiert, dass du sie komplett von zu Hause absolvieren kannst. Sie besteht aus Live-Online-Schulungen und digitalen Kleingruppen, Selbststudium und einem Projekt deiner Wahl.” www.onleica.de

Live-Online-Schulungen fanden vom 30.03.20 (Mo.) bis 03.04.20 (Fr.) jeweils von 09:00-12:00 Uhr und 14:00-17:00 Uhr statt, also insgesamt 30 Stunden. Dazu kommt das Selbststudium mit ca. 10 Stunden und das persönliche Abschluss-Projekt mit mindestens 10 Stunden. 

Ziel: Schnell ein gute, fundierte und motivierende digitale Mitarbeiterschulung für 100 Teilnehmer mit einer Jugendleitercard-Option auf die Beine zu stellen, da gerade viele junge Menschen auf einmal mehr Zeit zur eigenen Verfügung haben und es weniger Alternativen gibt. 

Trainingsmodule: Leadership – Theologischer Crashkurs – Andachten halten – Seelsorge – Projektmanagement – Teambuilding – Kommunikation – Kinderschutz – Recht – Persönliche Spiritualität

Teilnehmerzahlen: Über 200 Anmeldungen und konstant 160-170 Teilnehmer, die 5 Tage lang aktiv bei den Live-Online-Schulungen und -Kleingruppen dabei waren.

Team: Homepage u. Grafiken: Tobias Hindahl, Johannes Kai Lorenz Werbung: Benedikt Elsner Video: Benny Job Referenten: Christoph Müller, Michael Rohde, Birte McCloy, Deike Brodt, Benedikt Elsner, Marc Dittberner, Christopher Witt, Jonathan Walzer, Jonas Schilke Administration: Lotte Wegner, Anne Schilke Partner: Jugendverband der Evangelischen Freikirchen Hannover, Gemeindejugendwerk NOS, Gemeindejugendwerk Bayern, Landesjugendwerk des BFP in Bayern 

Projekt-Phasen

  1. Ideen-Phase 13.-15.03.20

Als die Schulen in Niedersachsen geschlossen wurden und ich den ersten Jugendabend absagt habe, wurde mir klar, entweder chill ich das Wochenende oder überlege, wie man aus den Umständen in dieser Corona-Situation das Beste machen kann. Was wäre etwas, das vielleicht hilft und das es noch nicht so oft gibt? 

2. Konzept – Texte – Homepage – Referenten 16.-20.03.20

Dank großer Unterstützung von Menschen hier aus Hannover (Bene half bei vielen konzeptionellen Fragen und Texten, Tobi und Johannes setzten in ca. 3 Tagen die Homepage auf) konnte es losgehen. Zum Zeitpunkt, als die Homepage online ging, hatten wir vier Referenten (inklusive mich selbst) von den geplanten zehn. Wir gingen in guter Hoffnung online und vieles wurde dann quasi unterwegs hinzugefügt. 

3. Werbung – Referenten – Software 20.-29.03.20

Wir starteten eine Werbungsoffensive bei Instangram und versuchten, Mulitplikatoren zu gewinnnen (Danke, Bene, für deinen großartigen Einsatz!), beantworteten die Fragen interessierter Jugendverände und bekamen einen kleinen Einblick in die Praxis des Föderalismus in Deutschland (unterschiedliche Bedingungen für den Erwerb der Juleica). In dieser Phase änderten wir außerdem unser Software-Tool auf “Zoom” und merkten, dass vorraussichtlich über 100 Personen teilnehmen würden.

4. Durchführung 30.03.-03.04.20

Es war ein gutes Gefühl, als sich dann am Montag ab 8:32 Uhr tatsächlich immer mehr Personen in unser ZOOM-meeting einwählten und ich um 09:01 Uhr über 170 Teilnehmer willkommen heißen durfte. Das Internet und Tool funktionierte und wir durften fünf sehr intensive Tage erleben, mit klasse Referenten, intensivem Austausch in Kleingruppen und regen Chat-Verläufen.

Challenges

  1. Wie viele melden sich an?

Am Anfang stand eine Idee und die Frage, ob es einen Markt, Bedarf, Interesse dafür gibt. Mein Mindest-Wunsch wären 30 Teilnehmer gewesen. Aber auch, wenn es keine 30 Person geworden wären, hätte ich wenigsten sagen können, ich habe etwas Neues versucht. Es war einen Versuch wert.

2. JULEICA- Option

Nur, weil wir einen Juleica-Träger in Niedersachsen im Boot haben, heißt es nicht, das andere Organisationen die Schulung anerkennen. Jedes Bundesland und jeder Träger kann seine eigenen Regel machen, im Rahmen der sehr allgemeinen Anforderungen. Das mussten wir auch erstmal lernen. Ich dachte anfangs, wenn man mit diesem ONLEICA-Ansatz, also 50 Stunden ingesamt, in Hannover eine Juleica bekommen kann, dann müsste das doch in anderen Bundesländern noch einfacher sein, weil man dort teilweise nur etwas mit 30 Stunden absolvieren muss. Aber so einfach ist das nicht. Manche Träger und Verbände haben unseren Ansatz gefeiert und anerkannt, andere fanden es zwar gut, sahen jedoch darin auch eine Konkurrenz mit evtl. eigenen langfristig finanziellen Ansätzen und wiederum andere glauben immer noch, dass sich das Internet nicht durchsetzt. Das ist voll in Ordnung. Wir wollten damit kein Geld machen und auch niemanden abwerben, sondern einfach Mitarbeiter schulen und ihnen weitere Tools an die Hand geben für ihre unendlich wertvolle Arbeit in Kirchen, Verbänden und Vereinen. Jeder Teilnehmer von ONLEICA bekommt für seine Trainingsmodule ein Zertitfikat ausgestellt und für einige wird das genau so für die JULEICA reichen.

3. Was heißt Selbststudium?

“Von jedem Referenten erhältst du zusätzliches Material, das du selbstständig zuhause bearbeitest (Zeitaufwand: ca. eine Stunde). Abschließend absolvierst du dazu, ebenfalls online, einen kurzen Mutiple-Choice-Test.”

Diese Selbststudiums-Aufgaben und die dafür nötige Kommunikation hat sich als weit arbeitsaufwändiger gezeigt als geplant. Ich bin gespannt auf die späteren Rückmeldungen und ob dieser Ansatz Sinn gemacht hat. 

4. Technische Unsicherheiten

Welche Tools nehmen wir? Geht das mit über 100 Personen? Wie funktionieren die Kleingruppen? Sind drei Stunden dauernde Module nicht zu lang? Und dann gleich 10 davon in 5 Tagen? Zusammenfassend bin ich begeistert von den Möglichkeiten, die das Tool ZOOM anbietet und was damit vor allem in Kleingruppen-Formaten möglich ist.

5. Hoher Zeitaufwand 

Irgendwie braucht jedes Projekt immer länger, als am Anfang gedacht. Vieles war für mich Neuland und vieles haben wir erst auf dem Weg entwickelt. Das hat es an manchen Stellen schwer gemacht, Aufgaben-Pakete zu schnüren und an andere Personen abzugeben.  

Rückmeldung der Teilnehmer

Auf der Homepage hatten sich zu Beginn der Onleica-Schulung 215 Teilnehmer angemeldet. Überraschend konstant war die live dabei sitzende Teilnehmerzahl über die gesamte Woche hinweg von 160 bis 170 Personen. Am Ende des letzten Trainingsmoduls wurde ein Link zur Online-Auswertung für die noch verbliebenen Teilnehmer weitergeben. Die folgende Auswertung bezieht sich auf 106 Teilnehmer-Rückmeldungen. 

Alter der Teilnehmer: 18-21: 33% — 22-25: 20,8% — 15-17: 17,9% —  26-35: 10,4% — 36-45: 10,4% — 45+: 7,5%

Weiblich: 72,6% Männlich: 27,4%

Wie beurteile ich onleica insgesamt? Wert: 5,47 (1 schlecht, 6 super)

Wie stark hatte ich das Ziel, am Ende eine Juleica (Jugendleitercard) zu bekommen? Wert: 4,4 (1 gar nicht, 6 sehr stark)

Konfessioneller Hintergrund: 46,2% Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde 17% BFP 9,4% CVJM 8,5% FEG 8,5% Landeskirche 

Das digitale Lernen hat mir aus folgenden Gründen gut gefallen…

“Kontakt während Corona! Kleingruppen! Gesichter! Sinnvolle Beschäftigung! Zoom ist absolut klasse!”

“Aufgrund Corona bin ich eh zu Hause, habe Zeit und konnte diese durch das Modul bestens nutzen. Ohne die Onleica hätte ich die Schulung vllt gar nicht mehr gemacht. Meine Freunde in meiner Jungen Gemeinde in der ich aktuell nur halb aktiv bin haben die alle schon gemacht und meistens bei einem Anbieter (?) der diese Schulung über zwei Wochen in den Herbst-Schulferien anbietet, in denen ich damals wegen Klassenarbeiten/Klausuren die direkt nach den Ferien geschrieben wurden nicht wahrnehmen konnte und seit paar Jahren nicht mehr, weil diese in der Vorlesungszeit liegen…”

“Es geht vieles um einiges schneller und unkomplizierter. Beispielsweise die Einteilung in Gruppen funktioniert mit einem Klick, keine Störenfriede, weil sowieso alle stumm geschaltet sind etc. Außerdem hat es mir gezeigt (hatte vorher keine Erfahrung mit digitalem Lernen), dass ich meine Mitarbeiterbesprechungen nicht auf die Nach-Corona-zeit verlegen muss, sondern dass das easy online geht!”

“von zu Hause aus, super strukturiert und moderiert, Zeiten pünktlich eingehalten, Kleingruppenzeit, Zeit für Reflexion und Selbststudium, Zeit für Fragen, interaktiv, kurze, effektive Pausen – jeder hat gleich sein Klo und seine Kaffeemaschine am Start ;o) – insgesamt eine geniale Erfahrung!”

Das digitale Lernen hatte für mich folgende Herausforderungen…

“Meine 100% Aufmerksamkeit, war leicht abzulenken”

“Die Kleingruppenzeit brauchte teilweise ein bisschen Zeit am Anfang, gerade wenn man mit neuen Leute zusammen war. Aber dafür haben wir das eigentlich immer recht schnell hinbekommen. Es war ein bisschen schade, dass man keine Kontakte knüpfen kann , wie es im real life der Fall wäre (z.B. weil man dann auch die Mittagspause zusammen verbringen würde).”

“Schlechtes Internet!!”

Beobachtungen und Einschätzungen der Umfrage:

Aufgrund des digitalen und kostenlosen Formates kann man sich sehr leicht durch einen Klick abmelden und dann einfach nicht mehr einschalten. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass am Ende der Onleica-Schulung diejenigen noch am Start waren, die begeistert sind oder ein hohes Interesse am Zertifikat haben. 

Digitales Lernen:

Eine 30-stündige Online-Schulung in fünf Tagen macht in der Regel kaum Sinn. Wir haben es vor allem wegen dieser besonderen Corona-Zeit und unter dem Motto #StayHome gemacht. Nach unserer Erfahrung sind drei Stunden (trotz Abwechslung durch Kleingruppen-Phasen) das Maximum an Schulungs-Einheiten am Stück. Fasziniert waren wir von der Möglichkeit, die Gruppe von 170 Personen mit einem Klick in bis zu 50 Kleingruppen aufzuteilen. Die Aufteilung der Gruppen und Verteilung in verschiedene Räume dauert in einem Offline-Seminar mindestens 5 Min. Online hat es nur wenige Sekunden gedauert und ermöglichte es uns damit sogar, kurze Kleingruppen-Phasen von 5 Min. zwischendrin einzubauen. Wir haben mit dem Tool “Zoom” gearbeitet. 

Was ich im Umgang mit ZOOM Meeting und großen Gruppen gelernt habe:

  • Maximal 50 Breakout Sessions (Kleingruppen)
    • Am besten immer den Kleingruppen-Auftrag als Nachricht an alle Kleingruppen schicken.
  • Es hilft, immer einen festen Moderator zusätzlich zum Rerenten zu haben.
    • für Chat-Fragen, um Teilnehmer, die sich ausversehen laut gestellt haben, stumm zu schalten, für die Begrüßung und für den Rahmen 
  •  Es ist sinnvoll, mit den Referenten einen Tag vorher einen Sound-, Video- und Präsentations-Check zu machen.
  • Die Umfrage-Möglichkeiten bei Zoom sind nicht sinnvoll, denn die meisten TN konnte sie nicht sehen.
  • Für weitere Tools, die man während der Schulung verwenden kann, wie z.B: https://kahoot.it/ und https://www.menti.com/ braucht jeder Teilnehmer am besten ein zweites Gerät, wie z.B. ein Handy, damit man nicht zu viel Zeit verliert und alle dabei sein können.
  • Man sollte eine zusätzliche (online) Plattform für Gemeinschaft und Austausch anbieten, z.B. eine “Kaffee-Küche” oder einen “Pausen-Raum”. Kurz vor dem Ende von onleica entstand eine solche Whatsapp-Gruppe, von einer Teilnehmerin gestartet.
  • Videos abspielen geht leider nicht sehr flüssig.
  • Insgesamt super verlässliche Plattform! 

Zukunft von Jugendleiterschulungen – Hybridschulung Ansatz

Laut meinen Erfahrungen in der Jugendarbeit fällt es Mitarbeitern oft schwer, sich eine Woche Zeit zu nehmen, um eine JULEICA-Schulung zu machen. Solche Rückmeldungen haben wir auch häufiger bei onleica bekommen. Daher glaube ich, dass man durch eine Kombination aus Online- und Offline-Schulung die Stärken von beiden Formaten super nutzen könnte. Denkbar wären ein Samstag oder Wochenende als offline Auftakt, mit dem Schwerpunkt auf Teambuilding, Kommunikation und gegenseitigem Kennenlernen in den Gruppen und dann, verteilt über mehrere Monate, einzelne Abend-Webinar-Sessions. Für letztere lassen sich wahrscheinlich leichter großartige Referenten gewinnen, da diese nicht extra anreisen müssen und sich problemlos auch 100 Personen oder mehr einklinken können. 

Persönliches Fazit zum Projekt

Ich bin sehr dankbar für viel Support, Menschen, die Lust hatten, sich einzubringen, Referenten, die ich besser kennenlernen durfte, erste Erfahrungen sammeln in Webinar-Formaten und begeisterte Teilnehmer. Es macht viel Freude, mit Menschen zusammen zu arbeiten, die Wege und Problemlösungen suchen, anpacken und Dinge umsetzen! Eins meiner persönlichen Highlights ist, dass eine Teilnehmerin aus meiner Jugend ihre erste Andacht vom Trainingsmodul “Andacht halten” gleich am Freitag in unserer Jugend gehalten hat.